„Da ist kein Hebel – der Hebel sind wir!“

„Kann unsere Erde die Menschen noch ernähren?“ lautete der Titel des dritten Vortrags der Vortragsreihe zum Klimaschutzpreis. Jedes Jahr wächst die Weltbevölkerung um 80 Millionen Menschen. Und jedes Jahr werden 13 Millionen Hektar Regenwald zerstört – in drei Jahren die Fläche Deutschlands – unter anderem, um Sojabohnen anzubauen, die für die Massentierhaltung verwendet werden. Insgesamt umfasste die Anzahl der Nutztiere im Jahr 2007 17 Milliarden Geflügel, 10 Milliarden Schweine, jeweils zwei Milliarden Schafe und Ziegen und 1 ½ Milliarden Rinder – insgesamt also gerundet 30 Milliarden Nutztiere. Zur Erinnerung: Derzeit leben knapp sieben Milliarden Menschen auf der Erde.

70% des globalen Wasserverbrauchs entfallen auf die Landwirtschaft. Über 30% der Weltgetreideproduktion werden für Massentierhaltung benötigt. Durch die Degradation der Böden, die Hochzüchtung von Monokulturen und die fortschreitende Wüstenbildung nimmt die landwirtschaftliche Produktion immer weiter ab – um nur einige Faktoren zu nennen.

Doch Prof. Halhbrock, renommierter Biochemie-Professor und ehemaliger Direktor des Max-Planck-Instituts für Züchtungsforschung, lieferte uns nicht einfach nur Fakten, auf denen wir dann hilflos sitzen blieben. Er sagte ganz klar, dass die Fragen des Klimawandels eng mit anderen Fragestellungen verknüpft sind – mit „naturwissenschaftlichen“ (etwa Nahrungsmittelproduktion, Ressourcen, Ökostabilität und Biodiversität) genauso wie mit „sozialen“ (so beispielsweise gesellschaftliche Stabilität, Solidarität zwischen Menschen und der Frage nach dem „guten“ Leben).

Über eine Milliarde Menschen hungern. Jedes Jahr sterben Millionen. In Ländern wie Niger liegt die Lebenserwartung bei 44 Jahren. Wohl niemand würde an dieser Stelle behaupten, er/sie wolle oder befürworte das. Gleichzeitig verstecken wir uns alle liebend gerne in der Anonymität der Masse. Wir denken oft darüber nach, wie wir die PolitikerInnen dazu bringen können, endlich die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, wie wir den Hebel in deren Köpfen umlegen können, so der Professor. Doch: „Wer die Welt bewegen will, muss sich selbst bewegen“ (in Anlehnung an Sokrates).

Wir empfiehlen dazu vor allem eines: Nachdenken! Kritisch sein, darauf achten, welche Produkte man kauft, woher diese stammen, wie sie verarbeitet und transportiert werden, öffentliche Verkehrsmittel benutzen, etc. – die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Außerdem: Effizienz alleine genügt nicht, wir müssen uns überlegen, wie wir von der Wegwerf- und Konsumgesellschaft (die im Übrigen überhaupt nicht glücklich macht, wie diverse Studien belegen) abkommen und uns endlich hin zu einer ökologisch-nachhaltigen und sozial-gerechten Gesellschaft entwickeln.

„Verzicht nimmt nicht. Verzicht gibt.“ Das hat Martin Heidegger schon vor 150 Jahren erkannt.

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