Veranstaltung „Einkaufen mit Köpfchen“

 

Die Nachfrage nach Bioprodukten steigt – der Wunsch nach Klarheit auch. Kein Wunder, gibt es schließlich BIO-Labels der EU, der einzelnen Länder und unterschiedlicher Vereinigungen. Dabei gelten wiederum unterschiedlich strenge Richtlinien und noch dazu bekommen manche Labels mit der Zeit ein anderes Design. Wer soll sich da denn noch auskennen?

So viel zum Thema „bio“ – aber es geht noch weiter! Was ist denn nun wirklich ökologisch nachhaltiger: Wenn ich eine Bio-Milch aus Salzburg kaufe oder dann doch besser regionale Ländle-Milch (das „Ländle“-Logo ist übrigens kein Bio-Gütesiegel)? Wie sieht das überhaupt mit saisonalem Gemüse und Obst aus? Und zu guter Letzt blickt mich meine leere Geldbörse traurig an…

Naturschutzanwältin Katharina Lins und die PodiumsteilnehmerInnen Martin Konzet, Hubert Vetter, Bernhard Zainer und Maria Keiler sahen sich einem hinterfragenden und fordernden Publikum gegenüber. Aus ihren verschiedenen Perspektiven – von der Sicht der biologischen Landwirtschaft, über die Amtliche Lebensmittelkontrolle und Ernährungswissenschaft bis hin zur Architektur und politischen Tätigkeit – versuchten sie, das in den Köpfen der KonsumentInnen herrschende Durcheinander ein wenig zu lösen.

Das war keine leichte Aufgabe, doch in der Podiumsdiskussion und dem Vortrag von Frau Lins wurden einige Punkte ganz deutlich vermittelt: der ökologische (und soziale) Fußabdruck von Produkten ist umso erträglicher, je näher er einem aus biologischer Landwirtschaft hergestellten, regionalen, saisonalen und Fairtrade-Produktes kommt. Es ist also mehr eine Frage davon, wie viele Kriterien – biologisch, regional, saisonal, fairtrade – das Produkt erfüllt. Garantie gibt es nie, aber umso mehr es diese Forderungen erfüllt, desto eher ist es ökologisch-nachhaltig und sozial-gerecht.

Ganz wesentlich entscheidet auch die Art des Produkts über dessen Umweltfreundlichkeit: so hat Fleisch etwa einen äußerst hohen ökologischen Fußabdruck (beim Verzehr eines Kilogramms Fleisch verbrauchst du so viele Ressourcen, wie bei einer 200km langen Autofahrt!). Darüber hinaus stammt das meiste Fleisch aus der Massentierhaltung, bei der die Tiere oft extrem grausam behandelt werden (Video).

Es gibt viele Gründe, sich Gedanken über den täglichen Einkauf und Verbrauch von Lebensmitteln zu machen: ist das Produkt ökologisch nachhaltig oder zerstöre ich damit irgendwo anders auf der Erde Lebensraum? Ist das Produkt fair entstanden, oder stammt es aus Kinderarbeit oder der Ausbeutung von Entwicklungsländern? Was musste das Tier bis zu seinem Tod erdulden, damit ich nun dieses Stück Fleisch, Fisch, Käse oder was auch immer essen kann?

Letztendlich tut man nicht nur anderen etwas Gutes, sondern vor allem auch sich selbst. Es ist definitiv sinnvoller, mehr Geld für Qualität auszugeben, denn für Quantität – oft ist der umweltbewusste Einkauf vielmehr eine Frage der persönlichen Prioritäten, denn der finanziellen Möglichkeiten…


Podiumsdiskussion mit Bernhard Zainer, Katharina Lins, Michael Grosskopff (Moderator), Maria Keiler, Martin Konzet und Hubert Vetter (v.l.n.r.)

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