Hochwasserschutz in Vorarlberg

Dass es mit der Erderwärmung vermehrt auch zu Extremwetterereignissen und Starkniederschlägen kommt, kursiert bereits seit Jahren in den Medien. Bisher äußerten sich WissenschaftlerInnen jedoch eher zurückhaltend zu diesem Thema. Aktuell berichten zwei Studien von neuesten Modellrechnungen, die zeigen, dass die globale Erderwärmung zu einer Zunahme regionaler Wetterextreme führt und zu einem fast doppelt so hohen Risiko für Hochwasserkatastrophen beiträgt.

Auch Österreich bleibt davon nicht verschont. Besonders in Erinnerung geblieben sind die Jahre 1999 und 2005, in denen Vorarlberg mit massiven Hochwassern zu kämpfen hatte. Inzwischen wird das Thema in den Medien und unter den BürgerInnen aber kaum mehr diskutiert. Hinter den Kulissen steckt jedoch allerhand Bewegung: Gemeinden stehen unter dem Druck der neuen Hochwasser-Bemessungen, Firmen bangen um extrem teure Maschinen, BürgermeisterInnen fürchten um Ihr Ansehen.

Naturschutzanwalt Philipp Meusburger muss sich zudem mit überschnellen Hochwasserschutzmaßnahmen, die mehr der psychologischen Beruhigung denn dem Ernstfall dienen, herumschlagen. Bei kurzfristigen Vorhaben handelt es sich nämlich in erster Linie um unökologische, technische und einfach durchzuführende Verbauungsmaßnahmen oder Dammerhöhungen. Langfristige Projekte, die darauf abzielen, Hochwasserspitzen bei Starkniederschlägen durch großflächige Überflutungsräume auszugeichen, liegen brach. Mit Mitteln der Raumplanung Flächen frei zu halten ist verständlicherweise komplexer, erfordert mehr Vorausschauung und erzeugt erheblichen Widerstand – und wird traurigerweise oft gar nicht angestrebt.

Nach der Hochwasserkatastrophe für uns Menschen folgt die Katastrophe für die Natur im Gegenschlag durch unsere technische Verbauung. Die Erfahrung zeigt: beim schnellen Reflex gegen Hochwasser bleibt kein Platz für die Natur! Wenn unsere Gewässer und Auwälder als besondere Natur- und Erholungsschätze erhalten bleiben sollen, muss der Hochwasserschutz vor der Katastrophe in unseren Köpfen Platz finden. Vorausschauende Sicherung von Flächen über die Raumordnung als Basis für eine umweltverträgliche Hochwasserschutzplanung muss in unseren Köpfen gegenwärtig sein, nicht erst wenn uns das Wasser wieder bis zum Halse reicht!

Siehe auch: der Standard: Verdoppelung des Überflutungsrisikos

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