Welthunger & Bio

 

Etwa 5% des österreichischen Lebensmittelhandels entfallen auf Bio-Produkte. Trotz oder gerade mit steigendem Marktanteil sieht sich die biologische Landwirtschaft stark mit Vorurteilen und Kritik konfrontiert.

Der Publizist und Autor Michael Miersch verweist u.a. auf die Bevölkerungsexplosion und den weltweiten Hunger, der seiner Meinung nach nicht mit biologisch-nachhaltiger Landwirtschaft vereinbar sei. Er begrüßt „alles, was zu einer Produktionssteigerung“ in der Nahrungsmittelerzeugung führt. Biologisch hergestellte Produkte seien nicht mehr als ein Luxusprodukt für reiche Menschen.

Diesen Standpunkt teilen einige Kritiker. Dabei wird die scheinbar effektivere Art des Wirtschaftens betrachtet, nämlich auf möglichst kleiner Fläche möglichst viel Ertrag herauszuholen. Alles andere wird ausgeklammert, wie

  • Herstellung von Düngemitteln – Abhängigkeiten von Konzernen, Importen und Erdöl
  • Fruchtbarkeit des Bodens – jährlich wird mehr Dünger benötigt
  • Pestizide & Herbizide – Beeinträchtigung von Stoffkreisläufen
  • Monokulturen – hohe Anfälligkeiten gegenüber Schädlingen, mehr Pestizide & Herbizide werden benötigt
  • Massentierhaltung – extrem ungerechte Tierhaltung
  • Mist-Abfall – Überdüngung -> Grundwasserprobleme
  • Verluste bei Transport und Lagerung

Dass zwischen einem Drittel und der Hälfte der gekauften Lebensmittel im Abfall landen, ist dabei mit keinem Wort erwähnt. Man mag Einwände gegenüber der biologischen Landwirtschaft zugestehen – die teilweise Undurchsichtigkeit bei den Gütesiegeln etwa oder das Image von Bio. Vielleicht lässt sich auch noch nachvollziehen, dass es auf Anhieb nicht logisch erscheint, gesamte ökologische Kreisläufe in der biologischen Landwirtschaft zu betrachten, da für manche eine(n) zu komplex.

Was allerdings nicht mehr diskutabel ist, ist das missbräuchliche Anführen emotionaler Themen wie dem Welthunger und der Armut als Anlass, Befürwortung oder Rechtfertigung gedankenloser, scheinbarer und kurzfristiger Produktionssteigerung. Weltweit stehen ausreichend Nahrungsmittel zur Verfügung – sie werden aber äußerst ungerecht verteilt.

Die biologische Produktionsweise ist die einzige, die – mit richtigem Know-How – zum Aufbau einer wertvollen, mächtigen Humusschicht führt und somit die Qualität und Fruchtbarkeit des Bodens mit jedem Jahr steigert. Populistische und pseudowissenschaftliche Stimmen erfreuen sich leider viel zu großer Beachtung.

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