„Wir müssen Gesellschaften mit mehr Gleichheit schaffen!“

In dem Buch „Gleichheit ist Glück“ zeigen der Wirtschaftshistoriker Richard Wilkinson und die Anthropologin Kate Pickett, dass eine ungleiche Verteilung der Einkommen innerhalb einer Gesellschaft zu sozialen Problemen führt, die alle Einkommensschichten betreffen: die Auflösung sozialer Bindungen, die Häufigkeit psychischer Erkrankungen, zunehmende Überforderungen am Arbeitsplatz, der Missbrauch von Drogen, die Anzahl der Gefängnisinsassen, die Fettleibigkeit, etc.

Sie zeigen außerdem, dass – die Industrienationen betreffend – mit zunehmendem Reichtum nicht automatisch das Glücksgefühl zunimmt. In den USA beispielsweise hat sich in einem Zeitraum, in dem sich das Realeinkommen der Bevölkerung verdoppelt hat, kein Anstieg von „Glück“ verzeichnet. Im globalen Vergleich zeigt sich, dass sich Menschen in der Anfangsphase wirtschaftlichen Wachstums zunächst glücklicher fühlen, im weiteren Verlauf ökonomischen Wohlstandes sich dieser Effekt aber recht schnell verliert und schließlich völlig stagniert.

Selbiges gilt für die Lebenserwartung: In den ärmeren Ländern steigt die Lebenserwartung zunächst zu Beginn der wirtschaftlichen Entwicklung sehr stark an. Sobald diese Länder aber in den Bereich mittlerer Einkommen gelangen, flacht der Anstieg ab, bis es schließlich keinen Aufwärtstrend mehr gibt. Reiche Länder werden zwar noch reicher, aber sie verzeichnen keine weitere Zunahme der Lebenserwartung ihrer Bevölkerung im Vergleich zu Ländern geringeren materiellen Reichtums (im Zehnjahresrhythmus steigt die Lebenserwartung in den Industrienationen um zwei bis drei Jahre – und zwar unabhängig von deren Wirtschaftswachstum!). In den Erhebungen des Autors und der Autorin haben die reichsten 30 Länder der Welt diese Situation bereits erreicht.

In ihrem Buch sprechen sie außerdem den sozialen Status der Armut an – Luxusgüter „ersetzen“ nur unsere fundamentalen Bedürfnisse: Anerkennung, Respekt, Vertrauen. Ihr Fazit lautet, dass wir, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren, nicht die Verbesserungen wahrer Lebensqualität – nämlich „Gesundheit, Glück, Freundschaft und Gemeinschaftsleben“ – opfern müssen…
…sondern schlicht und ergreifend mehr Gleichheit schaffen.

Aus: Wilkinson, Richard G.; Pickett, Kate: Gleichheit ist Glück. Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind, Tolkemitt Verlag bei Zweitausendeins, 2009, S. 20-24, 29ff, 258f

Share |