…und so funktioniert Journalismus!

„Nach der schwersten Dürre der vergangenen 60 Jahre sind in Ostafrika nach Schätzungen der UN in Somalia, Kenia, Äthiopien, Dschibuti, Sudan und Uganda rund zwölf Millionen Menschen von Nahrungsmittelknappheit betroffen“ heißt es am 26. Juli in den VN. Am folgenden Tag ist „UNO-Luftbrücke für Hungernde in Ostafrika“  ganz oben auf der Titelseite zu lesen.

Zwei volle Seiten – A2 und A3 – sind der unmenschlichen und tragischen Situation in Afrika gewidmet. Neben riesigem Bild der Kinder bekommt der renommierte Schweizer Soziologe Jean Ziegler eine halbe Seite. So viel Platz für liberales Denken ist beinahe verwunderlich für die VN…

Die Wahrheit ist: Bereits Ende 2010 gab es erste Warnungen vor einer möglichen Hungersnot. Ab April 2011 zeigte sich dann das weitgehende Ausbleiben des Frühlingsregens, womit klar war, dass auch die Sommerernte missraten würde. Ab April hätte man eingreifen können. Doch wen juckte das damals?

Das Problem an der Wurzel zu packen, ist nicht Aufgabe der Medien. Heuchlerisch ist jedoch das Verhalten der plötzlich zahlreichen mitfühlenden LeserInnen, die fassungslos Bilder von ausgezehrten Körpern betrachten.
Ist irgendetwas neu an dieser Geschichte? Hat es irgendjemand noch nicht gewusst?

Wohl kaum. Aber anstatt über die Ursachen und mögliche zukünftige Lösungskonzepte zu berichten und zu sprechen, wird das Leid anderer als Sommerloch-Thema der Medien benutzt. Wer wird in einem Monat noch darüber reden? Sich Gedanken dazu machen?
Aus den Augen, aus dem Sinn.

Doch diese Art von Journalismus beschränkt sich nicht auf ein paar Monate im Jahr. Wie so viele andere Dinge, sind auch die Medien der Kurzlebigkeit und dem schnellen Tempo unserer Gesellschaft unterworfen. Ob dies der Weg für tiefgreifende und reichlich durchdachte und ausgeklügelte Veränderungen ist, erscheint mir nicht einmal mehr eine rhetorische Frage zu sein…
…eher eine zynische an der Grenze zur Unbegreiflichkeit.

Share |






Termine