„verboten & gefährlich“

„Wir müssen so früh wie möglich zeigen, dass diese Dinge verboten und gefährlich sind“ meint Frau Mikl-Leitner, unsere innovative Innenministerin, zum Thema Suchtmittel. Der STANDARD widmet ihr diesen Samstag (30. Juli) eine gute halbe Seite in einem Interview über Drogenkonsum. Selten darf ich ein so amüsantes Interview einer Person aus den Kreisen der ÖVP lesen…

…es beginnt schon mit der ersten Frage, wann die Frau Innenministerin zuletzt ein Suchtmittel konsumiert hätte. Die Antwort ist sonnenklar – „Noch nie.“ Verzeihung? Fehlt es der Frau an Bildung oder seit wann zählt Alkohol nicht mehr zu den Suchtmitteln? Aber bitte. Als Innenministerin scheint dieses Wissen wohl keine Notwendigkeit zu sein.

Auf die Frage, was das Ziel ihrer Drogenpolitik ist, antwortet die ÖVP-Frau so: „Mein Ziel wäre, verstärkt Drogennetzwerke zu zerschlagen, um den Suchtgifthandel nachhaltig zu verringern.“ Das wiederum erscheint mir sehr interessant, wenn einige Sätze weiter vorne zu lesen ist, dass die Ausstiegsrate bei Cannabis rund 80 Prozent beträgt, bei Nikotin nur knapp 40 und bei Alkohol sogar lediglich 10. Der Konsum von Cannabis – welcher mehr als die Hälfte der Anzeigen ausmacht – scheint also eher ein episodisches Verhalten der KonsumentInnen zu sein – man raucht, und irgendwann hört man auch wieder damit auf.

Vergleicht man die Anzahl der Drogentoten, so übersteigen jene Todesfälle, welche durch Alkohol und Nikotin verursacht sind, bei weitem alle anderen. In Österreich gibt es laut sciencev1.orf.at jährlich 8.000 Alkohol-Todesopfer. Bei Jugendlichen liegt Österreich sogar im europäischen Spitzenfeld. Und von den 8,4 Millionen ÖsterreicherInnen sind mehr als eine Million „alkoholgefährdet“.

Aus dem Suchtmittelbericht des Innenministeriums von 2010 geht außerdem hervor, dass von knapp 24.000 Anzeigen 85% Vergehen betreffen und lediglich 2112 (also nicht einmal ein Zehntel) Verbrechen. Die „organisierte Kriminalität“ scheint trotz immenser Mittel, welche der Staat bei Polizei und Justiz einsetzt, nur selten getroffen zu werden. Gleichzeitig steigt die Zahl der ErstkonsumentInnen von Drogen.

Vielleicht würde es sich lohnen, die Prioritätensetzung der gegenwärtigen Drogenpolitik neu zu überdenken. Es gibt genügend Studien und Fachleute, die belegen, dass die Frage nach der (Il)legalität von Sucht- und Genussmitteln sehr willkürlich und geschichtlich, nicht aber faktisch begründet ist. Die abschließende Antwort der Ministerin auf die Frage, ob eine drogenfreie Gesellschaft das Ziel ist, antwortet sie: „Ja, […]. Alles, was ins Extreme führt, ist schlecht. Aber das soll bitte nicht heißen, dass man nicht gemütlich ein Glas Wein trinken kann oder sich eine Zigarre schmecken lassen kann.“

Genau, Frau Innenministerin. Auch wenn Sie meine morgendliche Zeitungslektüre ungemein versüßt haben – als zynisch angehauchter Mensch kann man(frau) sich durchaus über Ihr Interview amüsieren –, bitte, das nächste Mal zuerst einmal fünf Minuten nachdenken, bevor Sie öffentlich darüber sprechen, „dass diese Dinge verboten und gefährlich sind.“

Kommentar von Christina Vaccaro.

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