Satire: „Die fabelhafte Nazi-Geschichte der Messe“

Zum Auftakt der 37. Dornbirner Frühjahrsmesse hat das WIESO-Team einen Blick in die Geschichtsbücher geworfen. Wer waren die glorreichen Gründungsväter dieser Vorarlberger Institution? Auf jeden Fall müssen es „khörige, gschtandne Mä“ gewesen sein.

Jedes Jahr strömen tausende Besucher zur Dornbirner Messe, um dort zu erfahren, was ihnen noch alles an materiellen Gütern fehlt, die ihnen die Geldbörse und das Leben erleichtern sollen. Zwischen all den spielenden Kindern, lachenden Jugendlichen, fröhlichen Senioren, glücklichen Familien und „khörigen“ Häuslebauern entsteht ein geradezu idyllisches und harmonisches Bild, welches die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger widerspiegelt. Zudem kommen noch die alljährlichen im Welt-Zelt stattfindenden Schwerpunktthemen wie „Lateinamerika“ oder „Afrika“, welche in der Umsetzung durch ihre Offenheit, Akzeptanz, ihr Interesse und ihren Respekt gegenüber landesfremden Kulturen, Sitten, Religionen und Sprachen ein Spiegelbild der Vorarlberger Mehrheitsgesellschaft darstellen. Bei all dieser Weltoffenheit fällt es schwer zu glauben, dass es in Vorarlberg einst Nazis gegeben haben soll, geschweige denn, dass diese etwas mit der Dornbirner Messe zu tun haben könnten.

Die Anfänge

Da früher alles besser war, liegt auch die Entstehung der all zu beliebten Dornbirner Messe einige Jahre zurück. Eigens für die damals noch existierende und florierende Textilindustrie in Vorarlberg öffnete 1949 die „1. Export- und Musterschau Dornbirn“ ihre Pforten. Bruno Amann war durch sein zur NS-Zeit erschienenes Buch „Das Weltbild des Judentums“ mehr als nur qualifiziert für den Posten des Pressesprechers. Es lag doch auf der Hand, dass eine Person, die Worte schrieb wie „die Ausschaltung des jüdischen Geistes aus unserer Kultur“ oder „Kampf gegen die Verjudung des öffentlichen Lebens“, ideal als Pressesprecher für eine so wichtige Vorarlberger Veranstaltung geeignet war. Diese Person musste offensichtlich sehr begabt im Verfassen von auf Fakten basierenden und sachlich korrekten Texten sein, wie es vom Pressesprecher einer Mustermesse erwartet wird.

Ehrenbürger

Falls der 1960 zum „Ehrenbürger“ von Dornbirn ernannte Hermann Rhomberg jemals für die Dornbirner Messe seine Referenzen angeben musste, dachte man wohl, dass er durch das Vorweisen seiner blütenreinen Weste als ehemaliger „Lu

ftwaffenbeauftragter“ des NS-Reichsluftfahrtministeriums und durch die Leitung der Gauwirtschaftskammer Tirol-Vorarlberg in der Funktion des Vizepräsidenten auch in der Lage sei, die erste Ausstellung zu leiten. Wer als Luftwaffenbeauftragter tätig war und eine wesentliche Funktion in einem Verbrechens-Regime innehatte, das Millionen Menschen ermordete, zeigt eindeutig, dass er mit allergrößter Wahrscheinlichkeit ohne Rücksicht auf die eigenen Empfindungen und trotz von Schuldgefühlen geplagten schlaflosen Nächten mit eiserner Disziplin alles für seine Arbeit und das Allgemeinwohl tut. Dies war wahrscheinlich neben seinem starken Sinn für „Recht und Ordnung“ ein ausschlaggebender Punkt, weshalb er bald Präsident der Dornbirner Messe wurde.

Keine Nazis

Zusammenfassend kann man also nur sagen, dass alles nach landesüblicher Art mit rechten Dingen zuging, es in Vorarlberg nie Nazis gab und nie geben wird und falls doch, handelt es sich bestimmt um in Vorarlberg lebende Ausländer!

Dornbirner Frühjahrsmesse

Foto: Böhringer Friedrich

Share |






Termine