Satire: „Ich freu mich schon irre auf meine Schlachtung!“

Das Viktorsberger Schwein ist ein typisches glückliches Vorarlberg Schwein und erzählt von der Erfindung des Schmerzes, über sein sorgenfreies Leben und die bösen bösen Öko-Fuzzies. Robert Schweinderl im WIESO?-Gespräch.

WIESO: Hallo Schweinderl! Wie geht es dir auf deinem Bio-Berg-Almen-Freilauf-Fairtrade-Bauernhof mit AMA-Gütesiegel?

Robert Schweinderl: Ausgezeichnet! Mein Bio-Bauer ist sehr freundlich zu mir und ich freu mich schon irre auf meine Schlachtung. Das ist ja der Sinn meines Lebens.

WIESO: Ja, du hast es gut, aber nicht alle Schweine in Vorarlberg leben so prächtig. Wie hast du auf den Schweineskandal im Herbst reagiert?

Robert Schweinderl: Das war doch kein Skandal, das war eine bewusste Übertreibung von Öko-Fuzzies. Vorarlberg ist doch die Insel der Seligen, da gibt’s so was nicht.

WIESO: Das Videomaterial zeigt aber Schweine mit Verletzungen und manche stehen in ihrem eigenen Dreck.

Robert Schweinderl: Oink! Das sind kriminell entstandene Bilder! Die zählen nicht als Beweismaterial.

WIESO: Schwein, es ist immer noch üblich, männliche Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren. Wie war das bei dir?

Robert Schweinderl: Ach, an das kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Kann also gar nicht so schlimm gewesen sein. Und überhaupt: Wir Tiere spüren eh keine Schmerzen, also kein Grund zur Panik. Tierischer Schmerz ist eine Erfindung, eine Verschwörung von bösen Menschen und Wissenschaftlern. Nur der Mensch ist einzigartig!

WIESO: Was ist deine Meinung zur Kastenstandhaltung?

Robert Schweinderl:
Tolle Erfindung! Kein Sonnenlicht und null Bewegung für Muttersäue! Geilo! Meine doofe Mutter hätte mich in unserem weitläufigen Stall einmal fast erdrückt… das wäre mit einem Kastenstand nicht passiert.

WIESO: Die „Naturnatürlichpur!“-Fernsehspots zeigen paradiesische Zustände für Tiere. Kannst du das bestätigen?

Robert Schweinderl: Freilich! Das ist absolut wahr! Vertrauen Sie mir, ich bin schließlich ein niedliches, sprechendes Schwein. Ich muss es wissen!

WIESO: 75% alle Schlachttiere in der EU werden lebendig geschlachtet, weil sie nicht ordentlich betäubt werden.

Robert Schweinderl: Wie gesagt: Das spüren die eh nicht. Und überhaupt: Wissen Sie eigentlich, wie teuer so eine ordentliche Betäubung sein kann? Wer soll denn das bezahlen! Sicher nicht die treuen Kund*innen!

WIESO: Das Ländle importiert Fleisch, um den Eigenbedarf zu decken.

Robert Schweinderl: Das ist böses Fleisch vom bösen Ausland! Fleisch bringt‘s… aber nur wenn‘s aus Vorarlberg stammt.

WIESO: Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine vegetarische Lebensweise.

Robert Schweinderl: (lacht) Die grünen Spinner sterben eben nicht aus. Wer soll denn die ganzen Tiere essen, wenn alle Vegetarier sind? Dann haben wir ja eine Schweineplage! Dumme Vegetarier! Oink!

WIESO: Robert Schweinderl, Danke für das Gespräch!

Robert Schweinderl: Danke an das Vorarlberger Medialhaus für seine objektive, konkurrenzlose Berichterstattung! Und wenn ich endlich geschlachtet bin: Eat me!

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Ein Gedanke zu “Satire: „Ich freu mich schon irre auf meine Schlachtung!“

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